Meine Heimat ist bunt!

Der Knopf kommt ins Rollen

Die Knopfmacherin Sandra-Janine Müller in ihrer kunterbunten Werkstatt in Bayerisch-Schwaben
Die Knopfmacherin Sandra-Janine Müller in ihrer kunterbunten Werkstatt in Bayerisch-Schwaben

Der Kopf hinter den Knöpfen ist Sandra-Janine Müller, 1981 geboren und in Franken aufgewachsen. Nach Abitur und Studienzeit führte sie ihr Weg nach Bayerisch Schwaben zur Schneidermeisterin und Volkskundlerin Monika Hoede von der Trachtenberatungsstelle des Bezirks Schwaben, bei der sie eine Schneiderlehre mit viel Handarbeit und dem Schwerpunkt Tracht absolvierte. Dabei lernte sie neben anderen traditionellen Handwerkstechniken auch das kunstvolle Fertigen von Posamentenknöpfen. An diesem kaum mehr bekannten Thema hatte Monika Hoede in ihrer Funktion als Trachtenberaterin mehr als zehn Jahre geforscht und dabei viel Vergessenes wieder neu entdeckt. Ihr Wissen um die Knöpfe gab sie nicht nur an Sandra-Janine Müller weiter, sondern veröffentlichte 2014 auch ein Buch darüber: Das ebenso kulturhistorisch wie praktisch orientierte Handarbeitsbuch „Posamentenknöpfe“, das als Grundlagenwerk und erste deutschsprachige Publikation zum Thema für viel Aufsehen sorgte und mittlerweile in vielen Design- und Modeschulen Standard ist. Auch Restauratoren und Gewandmeister, Filmausstatter und Künstler nutzen das Werk. Neben anderen knopfkundigen Autoren wie dem Volkskundler Jürgen Sturma und Gerd J. Grein schrieb auch Sandra-Janine Müller an diesem Buch mit. Dabei lernte Sie die  Knopfmacherin und weitere Mitautorin Sabine Krump aus Österreich kennen und von ihr die Kunst des Zwirnknöpfe-Machens.

 

Die Knopfkunde macht die Runde

Posamentenknöpfe entstehen in vielerlei Techniken aus Holzrohlingen und Garn
Posamentenknöpfe entstehen in vielerlei Techniken aus Holzrohlingen und Garn

Seit dem Erscheinen des Buches griffen immer wieder auch die Medien das bunte Thema auf und berichteten über die Knöpfe und ihre Macherinnen. Noch mehr Verbreitung fand die wiederentdeckte  Knopflust durch ein weiteres Buch, das Hoede, Krump und Müller zusammen mit Helene Weinold verfassten und das 2016 bei Droemer-Knaur erschien: "Die ganze Welt der Knöpfe". Facebook & Co trugen zur Verbreitung der neuen Knopf-Begeisterung bis hin nach Japan, Finnland und Südamerika bei. Schon seit 2010 gibt Sandra-Janine Müller auch Knopfmacher-Kurse, die sich über die bayerischen Grenzen hinaus wachsender Beliebtheit in der Handarbeits-Szene erfreuen und seither viele mit dem Knopf-Virus infiziert haben. Mittlerweile reisen regelmäßig Interessierte aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz an, um bei ihr die farbenfrohe Handarbeitskunst zu erlernen und miteinander in persönlichen Kontakt zu kommen. Einige der ehemaligen Schülerinnen geben mittlweile selbst Kurse, andere gehen ihren Weg im Kunsthandwerk und wieder andere Knopfeln nur sich und ihrem Umfeld zur Freude. Hoede, Müller & Co haben tatsächlich ein altes Handwerk wieder zum Leben erweckt!

 

Die Posamentenknopf-Manufaktur

Knopf, passend zum Motto von Sandra-Janine Müller: Meine Heimat ist bunt!
Knopf, passend zum Motto von Sandra-Janine Müller: Meine Heimat ist bunt!

Aus der Trachtenschneiderin Sandra-Janine Müller ist eine berufliche Knopfmacherin geworden, die ihr Handwerk mit Begeisterung und Herzblut ausübt und in die Welt trägt. Immer wieder entdeckt sie dabei auch neue kreative Verwendungen für die kleinen Kunstwerke. Ihre hochwertigen Knopfschmuck-Kollektionen mit Namen wie "Frida" und "Marie Antoinette" präsentiert sie ausschließlich auf ausgewählten Kunsthandwerker-Märkten. Die Entwicklung des zugrunde liegenden speziellen Knopfmacher-Zubehörs erforderte zunächst jedoch einige Zeit und Tüftelei. Doch Sandra-Janine Müller fand findige Partner und gründete 2015 die Posamentenknopf-Manufakur, die sich inzwischen einen Namen gemacht hat als einziger Anbieter für Knopfmacher-Zubehör und erste Anlaufstelle für alle, die sich selbst in der alten Handwerkskunst unterrichten lassen oder individuelle Knopf-Unikate in Auftrag geben wollen. Umwelt- und Sozialbewusstsein liegen ihr bei der Beschaffung und Weiterverarbeitung der Knopfmacher-Produkte am Herzen und sie bemüht sich um ein "made in bavaria", wo es geht. Außerdem arbeitet sie bei der Trachtenberatungsstelle des Bezirks Schwaben. Und eigentlich auch in ihrem eigenen Schneideratelier, wo sie als Designerin unter dem Namen "Trachtenpunk" und dem Motto "Meine Heimat ist bunt" Tradition und Moderne in zeitgemäßen Trachten auf Grundlage historischer Kleidungsformen verbindet. Doch der unerwartete Knopfboom erfordert mehr Zeit als gedacht und so muss die Trachtenpunkerei erst mal wegen akuter Knopferitis pausieren.

 

Frau Knopfmacherin, warum das Ganze?

Vom Trachtenpunk zum Trendsetter: Sandra-Janine Müller erfand den Zwirnknopf-Selfie, der mittlerweile viele Nachahmer gefunden hat
Vom Trachtenpunk zum Trendsetter: Sandra-Janine Müller erfand den Zwirnknopf-Selfie, der mittlerweile viele Nachahmer gefunden hat

"Was mich an den Knöpfen so fasziniert, ist ihre Vielseitigkeit! Es gibt so viele schöne Muster und so viele Möglichkeiten der Farb- und Garnkombination - und es lässt sich ja fast alles mit einem Knopf-Kunstwerk verzieren und individualisieren! Außerdem bin ich im Vergleich zu einer Näh-, Strick- oder Häkelarbeit vergleichsweise schnell fertig und kann mich nicht nur bald am farbenfrohen Ergebnis erfreuen, sondern auch gleich wieder ein neues Knopfprojekt in Angriff nehmen! Besonders gerne nutze ich die Zeit auf Bahnfahrten dafür - mein Zubehör habe ich in einer kleinen Knopfbox immer mit dabei! Meine Tätigkeit als Kursleiterin liebe ich vor allem wegen der glücklichen Gesichter der Teilnehmer - wenn am Ende auch diejenigen, die sich anfangs vielleicht selbst gar nicht so als Handarbeiter wahrgenommen haben jede und jeder mit einem wunderschönen kleinen Erfolgserlebnis in der Hand nach Hause gehen! Dann weiß ich: unsere Welt ist wieder ein bisschen bunter geworden!"